Staude des Jahres: Die Wolfsmilch


Wolfsmilch-Stauden haben so Einiges zu bieten. Das umfangreiche Sortiment und die Mischung aus Blüten- und Blattschmuckpflanze in einem macht sie interessant für vielerlei Lebensräume im Garten.
Euphorbien, zu Deutsch Wolfsmilch, sind schon speziell, man kann sie nicht so leicht in eine „Garten-Schublade“ stecken. Es sind weder Prachtstauden mit großen, auffälligen Blüten noch reine Blattschmuckpflanzen, bei denen die Blütezeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Der Bund deutscher Staudengärtner hat die Wolfsmilch in diesem Jahr zur Staude des Jahres gekürt, um ihre vielfältigen Reize mehr in den Vordergrund zu rücken. Sie halten ein breit gefächertes Sortiment für den Garten bereit, dass sowohl für den halbschattigen Gehölzrand als auch für den Steingarten und das sonnige Staudenbeet geeignete Vertreter zu bieten hat. Profigartengestalter schätzen an Euphorbien das Spiel mit den verschiedenen Blattfarben im Laufe der Jahreszeiten und die lange attraktiven Blütenstände. Dazu sind einige Arten auch noch wintergrün und so fast rund ums Jahr ein Hingucker im Beet.

Was ist Blüte und was nicht?

Schon der Blütenstand der Wolfsmilch ist etwas ganz Besonderes. Denn das, was uns als Blütenblätter erscheinen, sind in Wirklichkeit farbige Hochblätter, die gar nicht Teil der eigentlichen Blüte sind. Sie haben die Funktion Insekten anzulocken, um die eher kleinen und unscheinbaren eigentlichen Blüten zu befruchten. Doch diese falsche Blütenpracht ist kein Nachteil, sondern ein großer Vorzug der Wolfmilch-Arten. Denn auch nach dem Verblühen bleiben die Hochblätter noch lange Zeit auffällig gefärbt und die Fruchtstände so auch lange attraktiv.

Die besten Euphorbien für den Garten

Die besten Euphorbien für den Garten
Manche Wolfsmilch-Arten sind eher kurzlebig, andere überdauern Jahrzehnte im Garten und trotzen Schnee und Eis, Sonne und Trockenheit. Ein Beispiel hierfür ist die Gold-Wolfsmilch ( Euphorbia polychroma ) mit ihrem gleichmäßig halbkugeligen Wuchs. Die fast neongelben Blütenständen im April und das frisch hellgrüne Laub macht sie zu einem der Frühlingsboten unter den Gartenstauden. Die Gold-Wolfsmilch liebt sonnige bis halbschattige Plätze. Sie wird etwa 30 bis 40 cm hoch und gesellt sich gern zu Zwiebelblühern wie Traubenhyazinthen oder Wild-Tulpen oder zu Blaukissen und anderen Polsterstauden im Steingarten.
Der Hauptschmuck der Walzen-Wolfsmilch ( Euphorbia myrsinites ) sind ihre nieder liegenden, graublauen Blattquirle, die auch den Winter über attraktiv bleiben. Sie liebt sonnige Plätze mit eher trockenem Boden und ist daher ideal im sonnigen Steingarten oder auf einer Mauerkrone aufgehoben. Die Walzen-Wolfsmilch blüht im späten Frühjahr mit gelben Blütenständen, ihre Triebe werden bis zu 50 cm lang.
Eine weitere Schönheit ist die Mandelblättrige Wolfsmilch ( Euphorbia amygdaloides ’Purpurea’). Diese ausdrucksstarke Pflanze bezaubert erst durch ihren rötlichen Austrieb, setzt mit den limonengelben Blütenständen schon im April reizvolle Akzente und ist dann bis in den Winter durch Fruchtstände und Laubfärbung immer attraktiv, mehr geht fast nicht. Die Pflanze möchte einen eher halbschattigen Platz am Gehölzrand. Dort ist sie idealer Begleiter von Elfenblume oder Funkien. Toll macht sch die Pflanze auch als Topfpflanze im Kübel, z.B. vor dem Hauseingang im lichten Schatten. Nur staunasse Böden verträgt sie nicht.

Als flächiger Bodendecker eignet sich die verwandte Balkan-Wolfsmilch ( Euphorbia robbiae ), deren dunkelgrünes Laub sogar wintergrün ist. Die Pflanze gedeiht auch an schattigen Plätzen mit trockenem Boden. Sie breitet sich durch kurze Ausläufer aus und muss manchmal im Zaum gehalten werden. Die gelbgrünen Blütenstände der bis zu 60 cm hohen Pflanze sind im Frühjahr ein besonders schöner Kontrast zu ihrem dunkelgrünen Laub.
Eine attraktive Züchtung der heimischen Süßen Wolfsmilch ( Euphorbia dulcis ) ist die Sorte ’Chamaleon’, auch Wandel-Wolfsmilch genannt. Ihr Name ist Programm. Der purpurfarbene Austrieb wird zum Sommer hin grüner, um dann im Herbst noch einmal richtig feuerrot aufzuflammen. Die etwa 60 cm hohe Staude mag es sonnig bis halbschattig und passt gut zu gelbgrünen Gräsern.

Die Hohe Wolfsmilch ’Goldener Turm’ ( Euphorbia cornigera ) ist eine bekannte, standfeste Sorte des Pflanzenzüchters Pagels. Sie wird blühend bis zu 100 cm hoch und gehört ins sonnige Staudenbeet. Dort passt sie gut zur Berg-Aster ( Aster amellus ), Schafgarbe ’Feuerland’ und Blauraute ( Perovskia ). Attraktiv sind auch die hellen Adern in der Blattmitte.

Ebenfalls Sonne, aber trockenen Boden mag die Steppen-Wolfsmilch ( Euphorbia seguieriana ssp. Niciciana ). Sie hat von den vorgestellten Euphorbien die späteste Blütezeit im Hochsommer. Mit den Jahren bildet sie schöne halbkugelige Büsche mit einer Höhe von etwa 50 cm. Auch lange Trockenzeiten können ihr wenig anhaben. Ideal für größere Steingärten und Kiesbeete mit durchlässigem Boden.
Die Himalaya-Wolfsmilch ( Euphorbia griffithi ’Fireglow’) ist eine Wolfsmilch-Persönlichkeit ganz eigener Art. Die orangeroten Blüten im späten Frühjahr gepaart mit dem rötlichen Blattaustrieb passen toll zu dunkellaubigen Gehölzen wie der Bluthasel und entsprechend farbigen Tulpen wie der lilienblütige Sorte ‚Ballerina’ oder der rot-orangefarbenen Triumph-Tulpe ’Prinzeß. Die Pflanze wartet dazu noch mit einer tollen roter Herbstfärbung auf. Sie vermehrt sich durch Ausläufer und wird etwa 100 cm hoch. In ihrer ursprünglichen Heimat sind die Winter schneereich. Vor unseren Kahlfrösten sollte man die Himalaya-Wolfsmilch daher mit einer Schicht Laub oder Tannenreisig schützen.

Last but noch least wäre noch die Zypressen-Wolfsmilch ( Euphorbia cyparissias ) zu erwähnen mit ihren feinen nadelartigen Blättern und dem interessanten Farbspiel der Blüten. Die ausbreitungsfreudige Staude liebt trockene Böden in Kiesbeeten oder Pflasterfugen und ist am besten in naturnahen, etwas wilderen Gärten aufgehoben, da sie sich stark ausbreiten kann. Einen attraktiven dunkelroten Austrieb hat die Züchtung ’Fens Ruby’, die nicht ganz so wild wächst.

Vorsicht, giftiger Milchsaft!


Alle Wolfsmilchgewächse enthalten einen weißlichen Milchsaft. Dieser ist giftig und kann zu Hausausschlägen führen. Daher möglichst immer Handschuhe tragen und gleich nach dem Umgang mit den Pflanzen die Hände gründlich reinigen.

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